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03 | 2016 public

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KOMPLEX ODER

KOMPLEX ODER KOMPLIZIERT? Wie man mithilfe von Wissensmanagement das richtige Projektvorgehen findet | von UWE KOBLITZ Softwareentwicklungsprojekte finden oft in komplexen beziehungsweise komplizierten Umgebungen statt. Wobei sich Komplexität oder Kompliziertheit aus der Vielzahl der beteiligten Elemente ergeben, bei denen auch kleine Änderungen große Auswirkungen haben können – beispielsweise aus organisatorischen, technischen oder regulatorischen Gründen. Dieser Artikel beschreibt ein Rahmenwerk zur Entscheidungsfindung und seine Anwendungsmöglichkeiten für ein Großprojekt. Dafür wird eine Brücke vom Wissensmanagement in die Softwareentwicklung geschlagen. bewährte Verfahren (Best Practices) angewendet werden, wie zum Beispiel in der Rechnungsabwicklung oder im Mahnwesen. Kompliziert (Complicated): Die Domäne der Experten. Die Ermittlung der Beziehung zwischen Ursache und Wirkung erfordert die Anwendung von Fachwissen. Die Herangehensweise ist Erkennen – Analysieren – Reagieren (Sense – Analyze – Respond), es können verschiedene gute Verfahren (Good Practices) angewendet werden, deren Auswahl durch Experten getroffen wird. Beispiele sind Brückenbau, Fahrzeugbau oder Softwareentwicklung. DAS RAHMENWERK ZUR ENTSCHEIDUNGSFINDUNG Im Wissensmanagement werden Modelle verwendet, um Probleme, Situationen und Systeme sowie deren Beziehungen untereinander zu beschreiben. Eines dieser Modelle ist das Cynefin-Rahmenwerk von Prof. Dave Snowden 1 , das sich auch bei Softwareentwicklungsprojekten bewährt hat. Es dient der Entscheidungsfindung und der Bestimmung des richtigen Vorgehens. Das Cynefin-Rahmenwerk hat fünf sogenannte „Problem-Domänen“: Einfach (Obvious/Simple): Die Domäne der bewährten Verfahren. Die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung ist für alle offensichtlich. Die Herangehensweise ist Erkennen – Kategorisieren – Reagieren (Sense – Categorise – Respond), es können Komplex (Complex): Die Domäne der Emergenz. Die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung kann nur im Nachhinein und nicht im Voraus wahrgenommen werden. Der Ansatz ist Probieren – Erkennen – Reagieren (Probe – Sense – Respond), es kommen emergente (sich herausbildende) Verfahren (Emergent Practices) zum Einsatz. Beispiele sind Kindergeburtstage oder die Entwicklung einer neuen Benutzeroberfläche. Chaotisch (Chaotic): Die Domäne der schnellen Antwort. Es gibt keine Beziehung zwischen Ursache und Wirkung auf Systemebene. Der Ansatz ist Handeln – Erkennen – Reagieren (Act – Sense – Respond), und es entstehen innovative Verfahren, zum Beispiel Katastropheneinsätze wie bei der Sturmflut 1962 an der deutschen Nordseeküste oder bei den Angriffen auf das World Trade Center 2001. 1 Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Cynefin-Framework und David J. Snowden & Mary E. Boone: A Leader’s Framework for Decision Making. In: Harvard Business Review. November 2007, S. 69–76 16 | .public 03-16 | Management

Komplex Probieren – Erkennen – Reagieren Herausbildende Verfahren Chaotisch Handeln – Erkennen – Reagieren Innovative Verfahren Abbildung 1: Das Cynefin-Rahmenwerk Unklar (Disorder): Die Domäne des Nichtwissens. Verschiedene Perspektiven stehen in Konkurrenz, es gibt Streit um die richtige Ausrichtung. Die Lösung liegt im Herunterbrechen der Situation in einzelne Teile und deren Zuordnung zu den vier anderen Domänen. Manager oder Projektleiter müssen sich auf die unterschiedlichen Anforderungen bezüglich Vorgehen und Entscheidungsfindung einstellen. Das Vorgehen, das für eine Domäne gute Ergebnisse liefert, wird vermutlich in einer anderen Domäne zu Fehlschlägen führen. Ein Beispiel dafür ist das entschiedene Eingreifen von Helmut Schmidt als Krisenmanager bei der Sturmflut 1962 an der deutschen Nordseeküste, bei der er sich seinen Ruf als „Macher“ erwarb. In einer chaotischen Situation wie damals war schnelles Handeln die beste Reaktion. Dieses Vorgehen wäre ihm in einer anderen Frage, zum Beispiel dem NATO-Doppelbeschluss (einer komplexen Entscheidungssituation), zum Verhängnis geworden. AUSWIRKUNG AUF DIE SOFTWAREENTWICKLUNG Cynefin bietet die Möglichkeit, anstehende Aufgaben, Probleme und Herausforderungen gewissen Domänen zuzuordnen – es ist jedoch kein Vorgehensmodell für die Softwareentwicklung. Nicht alle Methoden der Softwareentwicklung sind für jede Domäne gleich gut geeignet. Im Folgenden wird beschrieben, welche Anforderungen sich in jeder Problem-Domäne stellen und welche Vorgehensweise für diese Domäne geeignet ist. KOMPLEXE PROJEKTE Kompliziert Erkennen – Analysieren – Reagieren Gute Verfahren Einfach Erkennen – Einordnen – Reagieren Bewährte Verfahren Im Gegensatz zur komplizierten oder zur einfachen Domäne, die beide ein geordnetes System darstellen, können in der komplexen Domäne keine Ursache-Wirkungs-Beziehungen festgestellt werden. Sie können lediglich im Nachhinein erklärt werden (Emergent Behaviour). Anforderungen befinden sich im Fluss und sind nicht vorhersehbar. Es gibt keine richtigen Antworten – im Laufe der Entwicklung bilden sich lediglich bestimmte Muster heraus. Man befindet sich im Bereich des unbekannten Unbekannten (Unknown Unknown) und muss mit vielen konkurrierenden Ideen zurechtkommen. Ein Fortschritt kann nur durch kreative und innovative Ansätze erreicht werden. Führung muss sich deshalb daran ausrichten, kreative und innovative Ansätze zu fördern und neue „Muster“ entstehen zu lassen. In dieser Situation besteht die Führungsaufgabe darin, eine ideenfördernde Umgebung zu schaffen, in der unterschiedliche Meinungen entstehen und diskutiert werden können. Entscheidend dafür ist ein hohes Maß an Interaktion und Kommunikation zwischen den Beteiligten, die sich idealerweise auch an einem Standort befinden. Ziel ist es, durch Experimente neue Muster zu finden. Eine weitere Führungsaufgabe ist, eine Gruppe von Experten zusammenzubringen, um das zu entwickelnde Gesamtsystem zu analysieren. Gefahrensignale sind: • das Zurückfallen in den gewohnten Kommando- und Kontrollmodus, • die Versuchung, nach Fakten anstatt nach entstehenden Mustern zu suchen, • der Wunsch nach beschleunigter Problemlösung oder Nutzung von kurzfristigen Vorteilen. Mögliche Antworten auf diese Gefahrensignale sind: • Geduld aufbringen und auch Fehlschläge verkraften (die Suche nach Innovation wird immer wieder in Sackgassen führen, was aber besser als ein zu defensives Vorgehen ist), • Zeit für Reflexion einräumen, • Stakeholder beim Review von Ergebnissen einbeziehen, um (komplexe) Muster besser zu erkennen und durch regelmäßiges Feedback Verbesserungen schnell einarbeiten zu können. Prototyping Agil Komplex Probieren – Erkennen – Reagieren Herausbildende Verfahren Chaotisch Handeln –Erkennen – Reagieren Innovative Verfahren Kompliziert Erkennen – Analysieren – Reagieren Gute Verfahren Einfach Erkennen –Einordnen – Reagieren Bewährte Verfahren Abbildung 2: Geeignete Vorgehensweisen in den unterschiedlichen Domänen Iterativ Wasserfall Management | .public 03-16 | 17

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