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03 | 2016 NEWS

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Standpunkt Risikokultur

Standpunkt Risikokultur in Banken von Klaus Stechmeyer-Emden Auch die Bankenaufsicht beschäftigt sich in der letzten Zeit verstärkt mit einem Thema, das als „Risikokultur in Banken“ beschrieben wird. Dieser „Standpunkt“ wirft aus verschiedenen Perspektiven einen kritischen Blick auf das Thema. In den letzten Jahren hatten die nationale und die internationale Bankenaufsicht 1 immer wieder das Thema Risikokultur in den Mittelpunkt gestellt. Nun nimmt sich auch die 5. Novelle der Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) in der Konsultation 02/2016 der Risikokultur in Banken als eines von drei Schwerpunktthemen an. 2 Die Finanzkrisen der letzten Jahre haben sicherlich das Vertrauen in Banken und ihre Mitarbeiter belastet. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat im Global Trust Report die Beliebtheit von Berufsgruppen untersucht. Der Vertrauenswert gegenüber Banken, Sparkassen und Kreditinstituten in Deutschland hat sich von 2008 bis 2015 von 72 auf 33 Prozent mehr als halbiert. „Bankmitarbeiter“ lagen weit hinten auf Rang 27 von 32 untersuchten Berufsgruppen. 3 In einem Interview mit Andreas Dombret, Mitglied des Vorstandes der Deutschen Bundesbank, bringt es dieser auf den Punkt: „Jedes Institut soll seinen Platz im Wettbewerb finden – nicht der Staat oder die Aufsicht hat das vorzugeben. Aber Fehlentwicklungen, die letztendlich den Steuerzahler belasten, sollen so weit wie möglich vermieden werden. Denn das zerstört das Vertrauen in die Banken, wie wir es in der Finanzkrise gesehen haben. Und Vertrauen braucht ein Bankensystem wie der Mensch Luft zum Atmen.“ 4 Im Anschreiben der BaFin zur Konsultation 02/2016 der MaRisk fordert die Bankenaufsicht von den Geschäftsleitern der Banken künftig, gemäß AT 3 Tz. 1 der MaRisk, eine angemessene Risikokultur innerhalb des Instituts und somit der Gruppe zu entwickeln, zu integrieren und zu fördern. Auch wenn die Anforderungen grundsätzlich für alle Institute gelten sollen, stehen große Institute mit weitverzweigten und komplexen Geschäftsaktivitäten besonders in der Pflicht. 5 Was unter Risikokultur verstanden werden kann, ist sicherlich interpretierbar und diskussionswürdig. Einen Anhaltspunkt liefert eine Definition des Baseler Ausschusses: Danach ist Risikokultur 1 BCBS 176 (10.2010), BCBS 294 (10.2014) und 328 (07.2015) sowie FSB (04.2014). 2 Risikodatenaggregation und Risikoberichterstattung, Risikokultur und Auslagerungen. 3 Peter Meybom (11.2015). 4 https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Interviews/2016_03_01_ dombret_ooen.html 5 BaFin: Anschreiben zur Konsultation MaRisk-Novelle 2016 (18.02.2016). 10 I NEWS 03/2016

Standpunkt t „die Gesamtheit der Normen, Einstellungen und Verhaltensweisen einer Bank in Bezug auf Risikobewusstsein, Risikobereitschaft und Risikomanagement sowie Kontrollen, die Risikoentscheidungen gestalten. Die Risikokultur beeinflusst die Entscheidungen des Managements und der Mitarbeiter bei ihrer täglichen Arbeit und hat Auswirkungen auf die Risiken, die sie eingehen“ 6 . Der Financial Stability Board (FSB) führt im April 2014 in seinen Ausführungen vier Indikatoren auf, die eine angemessene Risikokultur charakterisieren können: 7 1. Leitungskultur (Tone from the Top), 2. Verantwortlichkeiten der Mitarbeiter (Accountability), 3. offene Kommunikation und kritischer Dialog (Effektive Communication and Challenge), 4. angemessene Anreizstrukturen (Incentives). Diese nicht abschließenden Punkte werden uns später wieder im Kontext MaRisk begegnen. Volker Stein und Arnd Wiedemann schreiben in einem Artikel in der FAZ vom 4. Juli 2016 zum Thema Risikokultur: „Die nachhaltige Lösung liegt zwischen Corporate Governance und Risikomanagement und heißt: Risk Governance.“ 8 Die Autoren sehen Risk Governance erstens als eine Philosophie, die im Kern eine proaktive Risikosteuerung von innen heraus anstrebt, als Katalysator für Themen der Risikosteuerung dient und Stakeholdern zu einer risikobezogenen Nachhaltigkeit klare ethische Signale sendet. Zweitens beinhaltet Risk Governance für sie konkrete Aufgaben, wie das Design von Risikomodellen, den Umgang mit Modellrisiken, die Forschung und Entwicklung zu Risikothemen sowie Beratung des Managements. Drittens ist Risk Governance für die beiden Autoren eine langfristig wirkende, im besten Falle optimale, wertschöpfende Unternehmensfunktion. Ergänzend sollten komplexitätsreduzierende zentrale Verantwortlichkeiten für die Risk Governance in der Organisation eingerichtet werden – idealerweise in der Verantwortlichkeit des Chief Risk Officers (CRO). Dies ist eine interessante Sicht auf die Themenstellung aus einer Perspektive, die mehr an die klassischen Aufgabenfelder anknüpft – aber nicht nur. Wie nimmt sich die Aufsicht der Sache weiter an? In der CRD IV 9 sollen die Institute Grundsätze und Standards einführen, die eine wirksame Kontrolle von Risiken durch die Leitungsorgane gewährleisten. Ziel ist es, als Teil eines wirksamen Risikomanagements eine solide Risikokultur auf allen Unternehmensebenen zu fördern. Auch in den Leitlinien der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) zu gemeinsamen Verfahren und Methoden für den aufsichtsrechtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozess (SREP) wird eine Überprüfung der Risikokultur der Institute durch die zuständige Aufsichtsbehörde erwartet. Somit wird auch aus Sicht SREP von den Instituten erwartet, eine angemessene Risikokultur als Teil ihres Risikomanagements implementiert zu haben. Mit dem Konzept einer angemessenen Risikokultur wird jedoch per se kein neuer Risikomanagementansatz angestrebt – darauf weist Raimund Röseler, Exekutivdirektor Bankenaufsicht, explizit hin. 10 In den MaRisk sind zentrale Elemente wie „z. B. die Festlegung strategischer Ziele und des Risikoappetits (bislang „Risikotoleranzen“) inklusive der umfassenden Kommunikation dieser Ziele im Institut oder auch die Anforderungen an Kontrollen bzw. Kontrollfunktionen“ bereits integriert. Es liegt für mich nun die Frage nahe, wieso dieses Thema trotzdem international wie national derart im Fokus ist. Ein differenziertes, aber umso deutlicheres Statement gibt Raimund Röseler und führt im Weiteren dazu aus: 6 Niels Angermüller/Thomas Ramke (04.2016), S. 22. 7 Ira Steinbrecher (08.2015), S. 23. 8 Volker Stein/Arnd Wiedemann (07.2016). 9 Erwägungsgrund 54 der Bankenrichtlinie CRD IV (Capital Requirements Directive IV). 10 BaFin: Anschreiben zur Konsultation MaRisk-Novelle 2016 (18.02.2016). NEWS 03/2016 I 11

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