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02 | 2016 public

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Mythos oder WahrheIT

Mythos oder WahrheIT Als

Mythos oder WahrheIT Als besonders schnelllebige Branche ist die IT vielleicht noch mehr von Trends getrieben als die meisten anderen Branchen. Softwareentwickler, Berater und Entscheider verbringen einen nicht unerheblichen Teil ihrer Zeit mit der Sichtung und Evaluierung von Trends. Aber lohnt sich dieser Aufwand eigentlich auch? | von ANDREAS RAQUET Wer sich mit der Entwicklung von Trends beschäftigt, stößt sehr schnell auf den Gartner Hype Cycle (siehe Abbildung 1). Das Mitte der 1990er-Jahre entstandene Modell beschreibt die typische Entwicklung eines Trends von einer anfänglichen Phase der überzogenen Erwartungen über eine Phase der Ernüchterung hin zum „Plateau der Produktivität“. Demnach können sich die meisten Anwender zurücklehnen und entspannt abwarten, bis ein Trend das „Plateau der Produktivität“ erreicht hat, und dann aufspringen. Vorher genügt es, die Trends zu beobachten, um den richtigen Zeitpunkt nicht zu verpassen. Die Wahrheit sieht leider anders aus. Zunächst ist es einmal so, dass längst nicht jeder Trend jemals ein „Plateau der Produktivität“ erreicht. Das mit der SOA entwickelte Konzept der Service-Discovery über UDDI ist niemals Wirklichkeit geworden. Mitte der 2000er-Jahre wurden die großen öffentlichen UDDI-Repositories abgeschaltet (siehe Infokasten „Service-Discovery mit UDDI“). Ähnliches gilt für den Portlet-Markt, den man sich von der Standardisierung der Portalserver erhofft hatte (siehe Infokasten „(K)ein Markt für Portlets“). SERVICE-DISCOVERY MIT UDDI In den Anfangszeiten der SOA wurde mit UDDI ein Standard für zentrale Verzeichnisdienste definiert, über den Anwendungen Services anbieten und finden konnten. Bis 2005 boten IBM, Microsoft und SAP die öffentliche UDDI Business Registry an, über die beliebige kommerzielle und nichtkommerzielle Diensteanbieter Services publizieren konnten. In der Praxis hat sich der Ansatz nicht durchgesetzt. Seit Anfang 2006 sind diese Diensteverzeichnisse nicht mehr verfügbar. 38 | .public 02-16 | Kolumne

Aufmerksamkeit Gipfel der überzogenen Erwartungen Pfad der Erleuchtung Tal der Enttäuschung Plateau der Produktivität Originalverlauf Gartner Hype Cycle Alternative Entwicklungen Abbildung 1: Hype Cycle Idealisierter Verlauf Trend mit geringer Auswirkung Gescheiterter Trend Zeit Noch schwieriger wird es, wenn man Trends nach Branchen oder Einsatzgebieten getrennt bewertet – ein Aspekt, den der Hype Cycle gar nicht betrachtet. Trends gehen häufig aus ganz konkreten Problemstellungen hervor, werden jedoch in der Phase der überzogenen Erwartungen bis zur Unkenntlichkeit „verallgemeinert“ und zweckentfremdet. Das „Plateau der Produktivität“ kann dann je nach Branche und Einsatzgebiet ganz unterschiedlich ausfallen. Gerade die Trends der jüngsten Jahre haben sich aus dem intensiven Verdrängungswettbewerb der Internetgiganten wie Facebook, Netflix, Amazon und Google entwickelt. Oft wird argumentiert, dass das, was für Google & Co. gut genug ist, für andere Branchen nur recht und billig sein müsse. In der IT-Architektur gibt es aber gar kein Gut oder Schlecht. Es geht um adäquate Lösungen und sorgfältig abgewogene Kompromisse. Was für Videostreamingdienste und Onlineshops angemessen ist, kann für ein Bundesamt oder eine Kommune vollkommen inadäquat sein. Allerdings ist ein solches Totalversagen von Trends eher die Ausnahme. Die meisten kommen tatsächlich in irgendeiner Form in unserem Alltag an. Also doch alles gut? Leider macht Gartner keine quantitativen Aussagen über die Höhe und Beschaffenheit des „Plateaus der Produktivität“, auch wenn die grafische Darstellung anderes suggeriert. So mancher Trend entfaltet in der Praxis keinen nennenswerten Nutzen oder ist so schwer umzusetzen, dass er nur sporadisch in der Wirklichkeit ankommt. Wenn modellgetriebene Architektur (MDA) wirklich die Art und Weise, wie wir Software schreiben, revolutioniert hat, warum werden dann nur die wenigsten IT-Systeme wirklich aus einem Modell generiert? Wenn REST Webservices ein Netzwerk von Services analog zum bestehenden Netz von Inhalten erschafft, wo ist dann das weltweit verteilte Netz der Applikationen? Und wenn Continuous Integration unsere Softwarequalität deutlich verbessert hat, warum schlägt sich das nicht in unseren Schätzmodellen nieder? Oder sind Schätzmodelle selbst womöglich ein überschätzter Trend? Im Endeffekt lässt sich die Frage nach Sinn und Unsinn von Trends nicht pauschal beantworten. Vielmehr gilt es, jeden Trend kritisch zu hinterfragen und individuell zu bewerten. In der Anfangsphase ist das allerdings schwierig. Neue Trends sind kaum greifbar. Auswertbare Praxiserfahrung existiert nicht. Allerdings stehen in der öffentlichen Verwaltung ohnehin eher reife und zuverlässige Technologien im Mittelpunkt des Interesses. Wir werden uns daher in einer eigenen Artikelserie genau diesen gereiften Trends widmen, die bereits in unserer Lebens- und Behördenwirklichkeit angekommen sind. Wir werden etablierte Trends kritisch untersuchen und der Frage nachgehen, was von der ursprünglichen Erwartungshaltung an diese Trends übrig geblieben ist und welche Auswirkungen sie tatsächlich für die IT – insbesondere in der öffentlichen Verwaltung – haben. Man darf gespannt sein, welche Best Practice der modernen Softwaretechnik sich am Ende als Blindgänger erweist – oder schon erwiesen hat. Vielleicht hilft das sogar ein bisschen dabei, neue Trends nüchtern zu betrachten und realistisch einzuordnen.• (K)EIN MARKT FÜR PORTLETS In den Anfangszeiten der Portalserver wurde viel Aufwand in die Standardisierung der Portlet-Schnittstellen gesteckt (Portlet-Spezifikationen JSR-168 und JSR-286). Man erhoffte sich, damit die Grundlage für einen Markt von Portlets zu schaffen, die man in beliebigen Portalservern betreiben können sollte. Heute unterstützen zwar alle Portalserver und viele Contentmanagementsysteme diese Schnittstellen – ein Markt ist daraus jedoch nie entstanden. Kolumne | .public 02-16 | 39

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