Aufrufe
vor 2 Jahren

02 | 2015 public

  • Text
  • Verwaltung
  • Factory
  • Konsolidierung
  • Anforderungen
  • Einsatz
  • Frameworks
  • Anwendung
  • Systeme
  • Software
  • Unternehmen
Schwerpunkt: Konsolidierung der IT-DLZ

VERGABEVERFAHREN UND

VERGABEVERFAHREN UND VERTRAGSGESTALTUNG IN AGILEN IT-PROJEKTEN DER ÖFFENTLICHEN VERWALTUNG Agile Entwicklungsmethoden ermöglichen zunehmend auch in der öffentlichen Verwaltung transparente und leicht zu steuernde IT-Projekte. Bei geeigneter Vertragsgestaltung können Auftraggeber und Auftragnehmer gemeinsam schneller auf unvorhergesehene Veränderungen im Projektverlauf reagieren. | von WERNER ACHTERT und RA GÜNTHER PINKENBURG Agile Methoden zur Softwareentwicklung kommen zunehmend auch in der öffentlichen Verwaltung zum Einsatz, häufig sogar auf Wunsch des öffentlichen Auftraggebers. Im Gegensatz zur klassischen Vorgehensweise, bei der vor der Umsetzungsphase zunächst alle Anforderungen detailliert in einem umfassenden Lastenheft beschrieben werden, werden bei agilen Softwareprojekten die Anforderungen schrittweise erst im Projektverlauf entwickelt. Die Vorteile agiler Methoden, also eine schnelle, flexible Entwicklung, bei der Kundenwünsche jederzeit berücksichtigt werden können, kommen insbesondere bei komplexen Projekten zum Tragen – das heißt bei Projekten, bei denen die fachlichen und technischen Anforderungen zu Beginn gar nicht vollständig beschrieben werden können oder bei denen im Projektverlauf Anforderungsänderungen zu erwarten sind. ANFORDERUNGSMANAGEMENT IN AGILEN PROJEKTEN Agile Methoden gehen im Gegensatz zu den klassischen Methoden davon aus, dass ein IT-System iterativ entwickelt wird und die Anforderungen erst im Projektverlauf schrittweise detailliert werden. Ausgangspunkt der agilen Entwicklung ist eine Vision des zukünftigen IT-Systems, also eine priorisierte Liste von grob beschriebenen Funktionalitäten des IT-Systems, die jedoch 30 | .public 02-15 | Moderne Verwaltung

noch nicht in der Tiefe detailliert sind. Diese werden im Fall von Scrum in Form von User Storys, das heißt einzelnen Anwendungsfällen, formuliert und in Abstimmung mit dem Auftraggeber in einem Product Backlog, einer Anforderungsliste, nach ihrer Priorität sortiert. VORTEILE UND HERAUSFORDERUNG Agile Softwareentwicklung erleichtert gerade in komplexen Projekten die flexible Reaktion auf Veränderungen von Anforderungen und Erfahrungen im Projektverlauf. ITERATIVE ENTWICKLUNG Diese Funktionalitäten werden in Iterationen von jeweils zwei bis vier Wochen Dauer implementiert. Für eine Iteration werden jeweils nur so viele Funktionalitäten ausgewählt, wie in der begrenzten Zeit umgesetzt werden können. Die Einschätzung, welche und wie viele Funktionalitäten möglich sind, erfolgt auf Basis der Komplexität der Funktionalitäten. Am Ende einer Iteration steht immer eine getestete, ausführbare Softwareversion zur Verfügung, die vom Anwender benutzt werden kann. Dadurch kann der Auftraggeber schon zu einem frühen Zeitpunkt im Projekt lauffähige Versionen der Software überprüfen und bei fachlichen oder technischen Fehlentwicklungen gegensteuern. Außerdem kann der Auftraggeber die Liste der noch nicht umgesetzten Funktionalitäten jederzeit verändern und neu priorisieren. Damit können im Projektverlauf Veränderungen der Anforderungen und Erfahrungen der Anwender flexibel in die Entwicklung einfließen. PRODUCT OWNER Diese Vorteile können jedoch nur dann genutzt werden, wenn Auftraggeber und Auftragnehmer gleichermaßen in den iterativen Prozess eingebunden sind. Der Auftraggeber muss die Ergebnisse einer Iteration zeitnah prüfen und Entscheidungen über Änderungen an den Funktionalitäten treffen. Bei agiler Entwicklung wird für die Projektumsetzung weder ein Lastenheft noch ein Pflichtenheft im klassischen Sinne erstellt. Dies stellt zugleich auch die größte Herausforderung für das zur Beschaffung der Softwareentwicklungsleistungen notwendige Vergabeverfahren dar. So fordert das Vergaberecht etwa eine eindeutige und erschöpfend zu beschreibende Leistung, sodass alle Bewerber die Beschreibung im gleichen Sinne verstehen müssen und miteinander vergleichbare Angebote zu erwarten sind (Leistungsbeschreibung). Zudem können „wesentliche Vertragsänderungen“ während der Laufzeit zu einer Neuausschreibungspflicht führen. Daher stehen viele Behörden, die Projekte mit agilen Methoden durchführen wollen, vor der Frage, wie sich Agilität mit dem „Korsett“ des Vergaberechts in Einklang bringen lässt. Der Product Owner nimmt bei agiler Entwicklung eine zentrale Rolle als Schnittstelle zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer ein. Er steuert die Produktentwicklung inhaltlich, indem er die priorisierten Funktionalitäten mit dem Auftraggeber abstimmt und die umgesetzten Funktionalitäten fachlich freigeben lässt. Dazu hält er kontinuierlich Rücksprache mit dem Auftraggeber, um dessen Bedürfnisse und Wünsche in die Produktentwicklung einfließen zu lassen, und vereinbart deren Umsetzung mit den Entwicklungsteams. SELBSTSTEUERNDE TEAMS Die Entwicklungsteams zur Implementierung der Funktionalitäten bestehen aus jeweils fünf bis acht Mitgliedern. Eine Funktionalität wird immer in einem Team innerhalb einer Iteration vollständig analysiert, implementiert und getestet. Ein zentraler Unterschied zu klassischer Entwicklung ist die Selbstorganisation der Teams ohne Projektleiter. Jedes Team ist verantwortlich für die Planung und Abwicklung seiner Aufgaben innerhalb einer Iteration. Und diese Frage ist durchaus berechtigt. Denn das Vergaberecht geht grundsätzlich von einem zu Beginn des Verfahrens abschließend beschriebenen Leistungsgegenstand aus. Eine weitere Herausforderung kommt hinzu, wenn die Verpflichtung besteht, wann immer möglich die EVB-IT-Vertragsmuster zu verwenden. In Wirtschaftsunternehmen setzen sich zunehmend pragmatische Lösungen zur Beschreibung des Leistungsgegenstands durch. Auch hier sind Softwaresysteme manchmal im Vorfeld der Entwicklung nur schwer spezifizierbar. In vielen Branchen müssen Softwareentwicklungsprojekte auf kurzfristige Marktveränderungen und strategische Unternehmensentscheidungen schnell und flexibel reagieren können. In solchen Fällen wird das zu entwickelnde System statt mit einer detaillierten Spezifikation durch die Ziele beschrieben, die damit erreicht werden sollen. Die Leistung des Lieferanten wird durch ein Maß für die Menge an Funktionalität beschrieben, die seine Software erbringen muss. Ein typischer Maßstab dafür sind Story Points, mit denen die Komplexität und der Aufwand von User Storys bewertet werden. Moderne Verwaltung | .public 02-15 | 31

msg

01 | 2018 public
02 | 2017 public
01 | 2017 public
02 | 2016 public
01 | 2016 public
02 | 2015 public
01 | 2015 public
01 | 2014 public
01 | 2014 msg systems study
01 | 2015 msg systems Studienband
Future Utility 2030
Lünendonk® Trendstudie
Digitale Transformation | DE
Digital Transformation | EN
DE | inscom 2014 Report
EN | inscom 2014 Report

msgGillardon

02 | 2018 NEWS
03 | 2016 NEWS
02 | 2016 NEWS
01 | 2016 NEWS
03 | 2015 NEWS
02 | 2015 NEWS
01 | 2015 NEWS
02 | 2014 NEWS
01 | 2014 NEWS
02 | 2013 NEWS
01 | 2012 NEWS
02 | 2011 NEWS
01 | 2010 NEWS
MaRisk
01 | 2017 banking insight
01 | 2015 banking insight
01 | 2014 banking insight
01 | 2013 banking insight
01 | 2012 banking insight
02 | 2011 banking insight
01 | 2011 banking insight
01 | 2010 banking insight
2018 | Seminarkatalog | Finanzen

Über msg



msg ist eine unabhängige, international agierende Unternehmensgruppe mit weltweit mehr als 6.000 Mitarbeitern. Sie bietet ein ganzheitliches Leistungsspektrum aus einfallsreicher strategischer Beratung und intelligenten, nachhaltig wertschöpfenden IT-Lösungen für die Branchen Automotive, Banking, Food, Insurance, Life Science & Healthcare, Public Sector, Telecommunications, Travel & Logistics sowie Utilities und hat in über 35 Jahren einen ausgezeichneten Ruf als Branchenspezialist erworben.

Die Bandbreite unterschiedlicher Branchen- und Themenschwerpunkte decken im Unternehmensverbund eigenständige Gesellschaften ab: Dabei bildet die msg systems ag den zentralen Kern der Unternehmensgruppe und arbeitet mit den Gesellschaften fachlich und organisatorisch eng zusammen. So werden die Kompetenzen, Erfahrungen und das Know-how aller Mitglieder zu einem ganzheitlichen Lösungsportfolio mit messbarem Mehrwert für die Kunden gebündelt. msg nimmt im Ranking der IT-Beratungs- und Systemintegrationsunternehmen in Deutschland Platz 7 ein.


© 2018 by msg systems ag - powered by yumpu Datenschutz | Impressum