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02 | 2011 NEWS

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Im Gespräch Direktor

Im Gespräch Direktor Dipl.-Kfm. Ralf Götz, Vorstand der Raiffeisenbank Reutte, über die Veränderungen im Zinsmarkt und damit verbundene Risiken Interview: Peter Jacob Herr Götz, die Raiffeisenbank Reutte Tirol bedient durch ihre grenznahe Lage neben den österreichischen auch zahlreiche deutsche Kunden. Welche Unterschiede sehen Sie zwischen der deutschen und der österreichischen Kundenstruktur? Grob betrachtet, ähnelt sich die Kundenstruktur im deutschen und österreichischen Markt sehr. Wir bewegen uns ja im europäischen Raum und liegen zudem sehr nah beieinander. Die Unterschiede erscheinen daher zunächst einmal als nicht sehr groß. Wenn man jedoch genauer hinschaut, dann sieht man, dass einzelne Bedürfnisse, die aus den Kundengruppen kommen, doch stark voneinander abweichen. Bei deutschen Privatkunden, aber auch bei Gewerbekunden werden im Finanzierungsbereich sehr stark Fixzinsvereinbarungen nachgefragt, und zwar mit möglichst langen Zinsfestschreibungen von zehn Jahren und länger. Der österreichische Markt dagegen zeichnet sich dadurch aus, dass Finanzierungen eher variabel abgeschlossen werden – allerdings mit Bindung an einen Indikator, z. B. an den Ein-, Drei- oder Sechs-Monats-Euriborsatz. Woran liegt das? Zum Teil liegt das sicherlich an der Mentalität der Menschen. Hier in Österreich wird wesentlich stärker auf den momentanen Zinssatz geschaut. Gerade im Privatkundenbereich ist es Usus, jetzt das günstige Geld zu nehmen und nicht so sehr auf die langfristige Absicherung einer gleichmäßigen Belastung zu schauen. In diesem Punkt sind deutsche Privatkunden, gerade wenn es um den privaten Hausbau geht, wesentlich mehr auf Sicherheit ausgerichtet. Aber gerade in Niedrigzinsphasen, wie wir sie in den letzten Jahren ja hatten, ist der variable Zinssatz für die Kunden immer günstiger gewesen. Dann gibt es noch einen zweiten Aspekt: nämlich den Schutz der Konsumenten. Der wurde in den letzten Jahren deutlich ausgeweitet. Insbesondere der österreichische Konsumentenschutzverein (eine Verbraucherschutzorganisation) setzt sich sehr dafür ein, dass Zinsen und Spesen vonseiten der Banken nicht willkürlich geändert werden können. Das hat dazu geführt, dass alle Spar- und Einlageprodukte mit variabler Verzinsung auch an einen Indikator gekoppelt sein müssen. Für den Kunden heißt das, dass Kreditzinsen nur dann von den Banken nach oben oder unten geändert werden können, wenn sich auch die in den Zinsanpassungsklauseln definierten Basiszinssätze, wie z. B. der Euribor, ändern. Wie ist das Verhältnis zwischen Festzins- und variablen Geschäften in Ihrem Haus? 20 I NEWS 02/2011

Business t Unternehmenssteuerung t In unserem Haus ist der Anteil variabler Geschäfte deutlich größer als der von Fixzinsgeschäften. Ich schätze, das Verhältnis liegt ungefähr bei: ein Viertel Fixzins zu drei Viertel variables Geschäft. Welchen Stellenwert messen Sie der wertorientierten Zinsänderungsrisikosteuerung in Ihrem Haus bei? Einen hohen Stellenwert. Die barwertorientierte Steuerung hat bei uns im Hause schon eine lange Tradition. Eingeführt wurde sie im Jahr 2002. Damals lag der Fokus für uns ganz klar auf der Steuerung des Zinsänderungsrisikos. Die Frage aktive versus passive Steuerung sorgt ja seit Jahren für sehr intensive Diskussionen bei den Banken: Welche Steuerungsphilosophie zur Messung und Steuerung der Zinsänderungsrisiken hat sich in Ihrem Haus etabliert? Wir betreiben seit einigen Jahren eine streng passiv ausgerichtete Steuerung des Zinsänderungsrisikos, d. h. wir steuern das Zinsänderungsrisiko unabhängig von den Zinsprognosen. Einmal im Monat ermitteln wir die Vermögenslage/die Barwerte der gesamten Bank – also auch unserer Töchter. Auf Basis von Beobachtungen über die letzten sechs Monaten legen wir Value-at-Risk-Limite fest. Als Ausgangsbenchmark verwenden wir „zehn Jahre gleitend“, die wir auf das gewünschte Zielniveau geeignet hebeln. Der große Vorteil dieser Vorgehensweise ist, dass damit die Spekulationen: „Wie mag sich die Zinswelt weiterentwickeln“, wegfallen. Eine Zwischenfrage: Sie haben eben Tochterunternehmen erwähnt. Welche Töchter hat Ihr Institut? Wir haben eine Tochter in der Schweiz, eine Vollbank (Anmerkung Redaktion: Bank Jungholz), die sich ausschließlich auf das Vermögensanlagegeschäft konzentriert hat. Unsere zweite Tochter residiert in Deutschland, in Stuttgart. Das ist ebenfalls eine Vollbank (Anmerkung Redaktion: Bankhaus Bauer), die mit der Ausrichtung „die Bank für den Unternehmer“ ebenfalls den Fokus auf das Vermögensanlagegeschäft gelegt hat. Es wird immer wieder diskutiert, in bestimmten Zinssituationen, z. B. bei inverser Zinsstruktur, die Benchmark zu ändern. Wird diese Diskussion in Ihrem Hause auch geführt, oder halten Sie auch bei geänderten Zinssituationen konsequent an Ihrer Steuerungsphilosophie fest? Die Diskussion, ob es sinnvoll ist, an der passiven Steuerung festzuhalten, wird natürlich auch bei uns im Hause immer wieder geführt. Aber selbst wenn in unserem Steuerungskomitee unterschiedliche Zinsmeinungen vertreten werden oder die Versuchung aufkommt, zu glauben, man wäre schlauer als der Markt oder das Modell, haben wir uns bisher immer wieder selbst eingebremst und – bedingt durch die positiven Erfahrungen, die wir seit 2002 mit der passiven Ausrichtung gemacht haben – konsequent an der passiven Steuerung festgehalten. Wenn ich über alle Verwerfungen am Markt zurückblicke, sind wir damit sehr gut gefahren. Wie werten Sie die nationalen und internationalen aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen für Ihr Haus im Kontext der Zinsänderungsrisiken? Ganz persönlich gehe ich davon aus, dass die aufsichtsrechtlichen Anforderungen gerade hinsichtlich der Zinsänderungsrisikosteuerung in Zukunft eher noch steigen werden. Man konnte in der letzten Zeit wiederholt in der Presse verfolgen, dass manche Banken – ich drücke es mal so aus – durch den ungenierten Ritt auf der Zinskurve mit billigem Geld von der EZB ihre Ertragszahlen aufpoliert haben. Natürlich muss man mit dem Steuern des Zinsänderungsrisikos Ertrag erwirtschaften, aber man sollte es nicht übertreiben. Durch Basel III werden die Anforderungen an die Kapitalausstattung stark zunehmen. Um dies zu erfüllen, wird eine Gewinnthesaurierung notwendig sein. Dann könnte man schnell der Verlockung unterliegen, durch entsprechendes Hebeln des Zinsänderungsrisikos noch mehr zu verdienen. Und aus diesem Grunde glaube ich, dass die Aufsicht zukünftig noch genauer hin- NEWS 02/2011 I 21

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