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01 | 2017 public

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Gesellschaft und digitale Transformation

Müller: Ja, genau.

Müller: Ja, genau. Diese drei großen Gruppen, die ich genannt habe, teilen wir noch mal in sechs Nutzertypen auf. Und wenn man in diese Gruppen reinschaut, dann sieht man schon, dass die „digital Abseitsstehenden“ zum Beispiel eher alleinstehend sind. Dass vor allem Menschen mit einem niedrigen Bildungsgrad, mit niedrigem Einkommen oder ältere Menschen an der Digitalisierung nicht teilhaben. Aber diese Bevölkerungsgruppen merken im täglichen Leben auch, dass die analoge Eisscholle immer kleiner wird. Sie werden mehr und mehr von Informationen, von digitaler Teilhabe ausgeschlossen, wenn man ihnen nicht hilft, den digitalen Weg zu beschreiten. Wir sehen auch immer noch einen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Wenn wir auf die Internetnutzung seit 2001 schauen, sehen wir eine Lücke zwischen Männern und Frauen, die sich seit 2001 nur minimal geschlossen hat. Im letzten Jahr konnten wir erstmalig sehen – da hatten wir auch Tablets und Smartphones mitaufgenommen –, dass sich bei der Gerätenutzung der „Gender-Gap“ langsam schließt. Das ist ganz interessant. Und ich denke, wenn wir uns nur die Tablet-Nutzung anschauen, würde sich auch der „Alters-Gap“ ein Stück weit schließen. Solche Entwicklungen muss man jetzt beobachten. Ein Tablet ist ein sehr intuitives Gerät, und es zeigt sehr schön, dass sich Digitalisierung ins Positive entwickeln kann. Wir reden ja viel über digitales Arbeiten, Arbeiten 4.0 genannt. Tablets und Smartphones können alle bedienen, auch ohne Computertechniker zu sein – schon alleine, weil die Interfaces und die Bedienbarkeit so viel einfacher geworden sind. Das heißt auch, dass jemand, der heute Kfz-Mechaniker ist, in drei, vier, fünf Jahren viel komplexere Maschinen und Systeme bedienen kann, die auf diesen mobilen Technologien basieren. „Wir sehen sowohl bei den Kompetenzen einen Rückgang als auch bei der Offenheit.“ msg: Ihrer Studie habe ich entnommen, dass die Werte in punkto Offenheit zur Digitalisierung schlechter werden. Was heißt das? Ist das ein bedrohlicher Trend? Müller: Wir sehen sowohl bei den Kompetenzen einen Rückgang als auch bei der Offenheit. Dazu muss man wissen, dass man den Index nicht als gleichbleibendes Instrument betrachten darf, mit dem immer nur neu gemessen wird. Vielmehr wird die Messlatte jedes Jahr neu angepasst. Ich verdeutliche das immer gerne so: Im Jahr 2001 haben wir abgefragt, ob jemand ein Handy hat. Heute bekommt man dafür keine riesigen Pluspunkte mehr. Dafür haben wir vor einem Jahr Wearables in die Abfrage aufgenommen. Aber man bekommt nicht automatisch – nur, weil man sie benutzt – einen ganz hohen Indexwert. Vielmehr kann eine zu hohe und unreflektierte Nutzung zu Minuspunkten führen. Deshalb legen wir jedes Jahr die Messlatte neu und passen den Fragebogen immer wieder an die Realität an. Das heißt, wenn sehr viele neue digitale Themen auf die Gesellschaft zukommen – Wearables, künstliche Intelligenz etc. –, dann kann sich die digitale Kompetenz auch mal nach unten entwickeln. Im 2016-Index hatten wir das Schwerpunktthema digitale Kompetenzen, also wir haben auch viel mehr zum Thema Kompetenzen abgefragt. msg: Das heißt, wenn man 2016 zu viel Pokémon GO gespielt hat, bekommt man Minuspunkte … Müller: (lacht) Pokémon GO haben wir nicht abgefragt, aber es sind Einstellungsfragen dabei, zum Beispiel zur Internet- oder Smartphone-Nutzung. Wenn jemand sagt, er sei 22 Stunden am Tag online, dann würden wir das kritisch sehen. Ab und zu muss man ja auch mal schlafen … msg: Zählt Spielen auf dem Smartphone als ernsthafte Beschäftigung mit digitalen Geräten, oder ist das eher ein Nebenprodukt? Müller: Also der Index ist nicht ganz so simpel, denn wir sagen nicht pauschal, dass Spielen schlecht ist. Es kommt darauf an, was der Einzelne spielt. Es gibt mittlerweile so viele pädagogisch sehr wertvolle Spiele, bei denen man sehr viel lernt und die wunderbar im Unterricht eingesetzt werden können. Natürlich gibt es Spiele, die einfach nur Zeitvertreib sind. Es gibt viele Menschen, nicht nur Kinder, sondern in allen Altersgruppen, die auf dem Smartphone spielen, um abzuschalten. Gerade weil unsere Welt so schnell und komplex geworden ist. Daher würde ich das nicht pauschal als positiv oder negativ bewerten. msg: Haben Sie im Index auch die Gruppe der Mitarbeiter in der öffentlichen Verwaltung abgefragt? Wo liegt deren Digital-Index? Müller: Diese Zahlen gibt es leider nicht. Aber Sie sprechen einen spannenden Bereich an, den wir uns gerade in der Arbeitsgruppe „Innovativer Staat“ 3 vorgenommen haben. Sie kennen vielleicht die Studie zum Thema E-Kompetenzen, die der IT-Planungsrat in Auftrag gegeben hat. 4 Darin werden die E-Kompetenzen aufgelistet, die heute in der Verwaltung wichtig sind. Darüber haben wir uns informiert und den Planungsrat dann nach dem Status quo gefragt. Aber den hatte die Studie gar nicht ermittelt. Also fragen wir gerade beim IT-Planungsrat an, wie es mit der Studie weitergeht. Es ist ja schön, zu wissen, welche Kompetenzen nötig sind. Aber es wäre auch wichtig, zu wissen, wie der Status quo diesbezüglich ist, und zu sehen, wo Anpassungen nötig sind. 3 http://initiatived21.de/arbeitsgruppen/ag-innovativer-staat/ 4 http://www.it-planungsrat.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2016/Entscheidung_2016_46.html 8 | .public 01-17 | Interview

Aber wir müssen der Wahrheit ins Gesicht schauen. Wenn ich mal eine Vermutung anstellen darf: Wir haben 4,5 Mio. Menschen, die im öffentlichen Dienst in Deutschland beschäftigt sind. Da finden wir ein Stück weit den Schnitt durch die Bevölkerung wieder. Wenn wir uns dann das Durchschnittsalter der Beschäftigten in der Bundesverwaltung anschauen – das bei 45, 46 Jahren liegt – und wissen, dass der Digitalisierungsgrad bei älteren Menschen eher geringer ist, und dann auch noch die Studiengänge und Ausbildungen für Verwaltungsmitarbeiter sehen, in denen kein großer Fokus auf Digitalthemen, agile Prozesse etc. liegt, dann nehme ich an, dass wir nicht nur digitale Vorreiter in der öffentlichen Verwaltung haben. Müller: Ja, wir fassen das sogar sehr, sehr breit. Selbst wenn sich jemand auf den Internetseiten der Behörden über bestimmte Dinge informiert, sagen wir in unserer breiten Definition, dass er eine E-Government-Leistung genutzt hat. Denn eine digitale Information gehört ja auch zum E-Government-Angebot dazu. Für den Monitor haben wir gefragt: „Haben Sie in den letzten zwölf Monaten eine E-Government-Anwendung verwendet?“ und geben eine Definition vor. msg: Ich lese im Monitor, dass die Bürger eigentlich zufrieden sind mit dem Angebot. Also haben wir zwar einen niedrigen Nutzungsgrad, aber eine gute Zufriedenheit. msg: Wahrscheinlich nutzen viele Mitarbeiter in der öffentlichen Verwaltung ihr privates Wissen und ihre privat erworbenen digitalen Fertigkeiten. Müller: Genau. Das ist ja eigentlich positiv. Denn wer das Angebot erst mal genutzt hat, findet es gar nicht so schlecht. Allerdings schaffen wir es nicht, die Nutzung wesentlich zu steigern. „Die privaten und beruflichen digitalen Welten klaffen komplett auseinander.“ Müller: Das stimmt. Wir haben letztes Jahr eine Sonderstudie „Schule Digital“ durchgeführt und auch gefragt, wie die digitale Nutzung bei Lehrern privat aussieht und wie beruflich. Diese Welten klaffen komplett auseinander. Ich würde sehr stark vermuten, dass es in der öffentlichen Hand auch so ist. Zu Hause wird mit Tablets und Laptops gearbeitet und im Büro mit dem Desktop-PC. Dabei gibt es gerade für Mitarbeiter, die vor Ort bei den Bürgern sind, sinnvolle Möglichkeiten. Die Polizei ist ein schönes Beispiel. Wenn sie alles, was zum Beispiel bei einem Unfall passiert ist, gleich in eine App eintragen könnten, würden sie im Büro viel Zeit sparen und müssten nicht noch mal alles abtippen. Also man sieht, dass E-Government große Vorteile haben kann. Und ich vermute, die Mitarbeiter wären durch ihr privates Umfeld auch durchaus bereit dafür. Wahrscheinlich müssten sie gar nicht stark geschult werden. msg: Das bringt mich direkt zum „eGovernment MONITOR“ 5 . Sie nennen ihn „ein umfassendes Lagebild zur Nutzung und Akzeptanz digitaler Verwaltungsangebote“. Wie kommt denn das Thema E-Government bei den Bürgern an? Müller: Nicht so gut. 2016 hatten wir eine Nutzung um die 46 Prozent. Wenn wir das mit der Schweiz und Österreich vergleichen – beide Länder liegen bei über 65 Prozent der Nutzung. Österreich sogar bei 74 Prozent. Da ist schon ein großer Gap. msg: Wie kann man denn die Nutzung kategorisieren? Ist schon der Online-Antrag für einen Anwohner-Parkausweis eine E-Government-Nutzung? msg: Wen und wie fragen Sie genau? Müller: Es ist eine Online-Befragung aller Bundesbürger ab 18 Jahren. Nach der Zufriedenheit fragen wir natürlich nur die, die die Angebote auch nutzen. Aber bei der Zufriedenheit muss man immer auch in die einzelnen Fragen reinschauen. Wir fragen: „Warum nutzen Sie das Angebot nicht?“ und bekommen dann vielleicht die Antwort „Weil ich nicht weiß, dass es etwas gibt“. Die Antworten „Das Angebot ist nicht bekannt“ oder „Das brauche ich nicht“ sind die häufigsten Gründe dafür, dass etwas nicht genutzt wird. msg: Wenn man also nicht neugierig ist und sich informiert, lernt man viele Angebote gar nicht kennen? Müller: Das ist ein interessanter Punkt. In unserem Leitfaden fragen wir, wie die Menschen eigentlich auf die Angebote aufmerksam werden. Und ob der potenzielle Kunde der digitalen Verwaltung überhaupt eine Chance hat, das Angebot zu finden. Uns interessiert auch, was die Bürger tun, um sich über das Angebot zu informieren. Die meisten googeln. Wir haben dann auch mal versucht, bestimmte Dienste zu googeln, und festgestellt, dass man sie nicht so leicht findet. Zum Beispiel, weil sie im Verwaltungsdeutsch ganz anders heißen. Die wenigsten Bürger gehen direkt auf die Seite der Behörde und klicken sich dann bis zur zehnten Unterebene durch, bis sie zum Anwohner-Parkausweis kommen. Sie googeln „Anwohner Parkausweis Berlin“. Und müssen dann auf die richtige Seite kommen. Deshalb gibt es hier eine Empfehlung von uns an die Verwaltung: Optimiert eure Webseiten, seid in Suchmaschinen auffindbar, verwendet Begriffe, die die Menschen eintippen würden! 5 http://www.egovernment-monitor.de/startseite.html Interview | .public 01-17 | 9

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