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01 | 2017 public

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Gesellschaft und digitale Transformation

msg: Während zum

msg: Während zum Beispiel das Wirtschaftsministerium die D21 kennt und zitiert, haben die meisten Behörden noch nie etwas von der D21 gehört. Woran liegt das? Müller: Ja, wir auch. msg: Themawechsel: Die D21 firmiert als eingetragener Verein – wie finanzieren Sie sich? Müller: Wir finanzieren uns vor allem durch Mitglieds- und Förderbeiträge, Zuschüsse von Behörden und Spenden. Bei uns zahlt jedes Mitglied den gleichen Beitrag – aktuell 5.000 Euro jährlich. Wir sind da ganz transparent. msg: Im Präsidium der D21 sitzen neben Industrievertretern nur ein, zwei Vertreter der Politik. Sie werden politische Partner genannt, treten aber nicht sehr in Erscheinung. Müller: Unser Präsident, Hannes Schwaderer, kommt von Intel, unsere Vizepräsidenten aus mittelständischen „hidden champions“ (Anmerkung der Redaktion: Dr. Hermann Rodler, Kathrein Werke KG und Robert A. Wieland, Kantar TNS). Unsere Schatzmeisterin kommt aus einem Verein (Anmerkung der Redaktion: Prof. Barbara Schwarze, Kompetenzzentrum Technik – Diversity – Chancengleichheit e. V.), und dann haben wir noch unseren Schriftführer, der ist von Ericson … msg: Sie sehen, was ich meine. Inwieweit engagieren sich die politischen Partner? Müller: Die politischen Partner sind nicht Teil der Vereinsmitgliedschaft – mit einer Ausnahme, der Bundesagentur für Arbeit. Die politischen Partner, zum Beispiel die Ministerien, engagieren sich durch finanzielle Förderung. Wir haben da zum Beispiel den D21- Digital-Index“, der wird über die Hälfte vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert. Und Bundestagsabgeordnete und Co. treten bei uns in den Foren und auf unseren Veranstaltungen auf. Müller: Wir sind viel stärker auf der Bundesebene aktiv. Mit den Landesverwaltungen oder den Kommunen haben wir weniger bzw. punktuell Schnittmengen. Wobei wir über den E-Government-Bereich sicher an vielen Stellen auch Kontakte in die kommunale Ebene und in die Landesebene haben. Das passiert dann zum Beispiel in unserer Arbeitsgruppe „Innovativer Staat“. Dort sind beispielsweise auch Landkreise vertreten, Abgeordnete und Vertreter aus der Berliner Verwaltung, die alle ihre Erfahrung mitbringen. Aber – das muss man eben auch sehen – die D21 ist in ihrem Aktionsradius in den Kommunen, in den Ländern auch ein Stück weit beschränkt. Wir haben hier fünf festangestellte Mitarbeiter, vier davon in Teilzeit, und bewegen uns daher vor allem im politischen Berlin. msg: Kürzlich hatten Sie einen Relaunch Ihrer Homepage. Ist damit auch eine inhaltliche Neupositionierung der D21 verbunden? Müller: Ja, das ist schon so. Wir haben in den letzten zwei Jahren das Bild der Initiative D21 inhaltlich geschärft und folgerichtig unser Äußeres so angepasst, dass es wieder zu dem passt, was wir sind und was wir im täglichen Arbeitsprozess tun. Denn wir sind der einzige Akteur, der von der Wirtschaft und der öffentlichen Hand für den Blick auf die gesamte digitale Gesellschaft mandatiert ist! Viele Akteure sind in Detailbereichen aktiv, zum Beispiel in der digitalen Bildung, im Bereich der Breitbandförderung etc. Aber die D21 schaut immer breit auf alle Themen, auf die ganze Gesellschaft und auf die Auswirkungen, die diese Themen haben. msg: Welche Themen haben Sie dabei besonders im Blick? Müller: Wenn wir von der digitalen Gesellschaft ausgehen, dann gibt es drei Themenfelder, die wir genauer anschauen: Zum Ersten: die digitale Selbstbestimmtheit, weil wir glauben, eine digitale Gesellschaft braucht digitalkompetente Individuen, die teilhaben können. Zum Zweiten: die digitalen Lebenswelten. Zum Beispiel bewegt sich das Individuum „Schüler“ in der Lebenswelt „Schulbildung“. Wenn da die Rahmenbedingungen nicht gut sind, hat der Einzelne keine guten Chancen auf einen gelungenen Start ins digitale Leben. Wenn wir eine fitte, gut aufgestellte Gesellschaft haben wollen, müssen die Rahmenbedingungen in den jeweiligen Lebenswelten gut sein. Und drittens: der digitale Standort Deutschland. Dazu gehört auch die digitale Verwaltung, denn die Verwaltung ist letztlich das Betriebssystem für Deutschland. Gesellschaft ist immer mit Verwaltung konfrontiert – 12 | .public 01-17 | Interview

von A wie Abfall bis Z wie Zoll. Sei es als Unternehmer oder als Privatperson. Wenn hier die Infrastruktur und die Regelungen nicht entsprechend geschaffen werden, ist das eine Bremse für die digitale Gesellschaft. „Die Verwaltung ist das Betriebssystem für Deutschland.“ msg: Die Industrie möchte aus Ihrer Arbeit natürlich auch einen Nutzen ziehen. Merken Sie eine Einflussnahme seitens der Industrie auf Ihre Themen, oder sind Sie da völlig frei? Müller: Was wir tun, muss zur Satzung der Initiative D21 passen, zu der sich unsere Mitglieder auch bekennen. Wir haben um die 50 Mitglieder und um die 60 Fördermitglieder aus allen Branchen – aus der Gesundheitsbranche, aus den MINT-Bereichen, dem Finanzsektor und vielen mehr. Klar, unter den Mitgliedern sind viele große IT-Unternehmen, weil die sich natürlich besonders für die Digitalisierung interessieren, aber in der Breite sind wir branchenübergreifend aufgestellt. Die Wirtschaftsunternehmen wissen, dass sie auch immer abhängig sind von der Reaktion der Gesellschaft. Nehmen wir das Beispiel Google Street View. Da gab es eine Innovation, etwas Neues: Ein Auto fährt durch Deutschland und filmt Straßen und Plätze. Aber die deutsche Gesellschaft hat massiv dagegen agiert, sie wollte diesen Service nicht. Es gab enorme Ängste und Ablehnung in der Bevölkerung. Und wenn Sie sich heute eine Europakarte mit der Serviceabdeckung von Street View anschauen, dann ist Deutschland heute ein weißer Fleck. Weil Google Street View nicht mehr in Deutschland aktiv ist. Alle Bilder, die Sie sehen, sind von 2005 und werden nicht mehr aktualisiert. msg: Sie haben an anderer Stelle gesagt, dass die Initiative D21 einen gesellschaftlichen Auftrag hat. Im Prinzip füllen Sie mit Ihrer Arbeit eine gesellschaftliche Auftragslücke, die eigentlich von der Politik gefüllt werden müsste. Müller: Wir sehen unsere Aktivitäten durchaus als gesellschaftlichen Auftrag. Die Digitalisierung hat massiven Einfluss auf unsere Gesellschaft. Diese Entwicklung muss man begleiten und aufzeigen, wo Handlungsbedarf besteht. Wenn zum Beispiel ein Ministerium sagt: „Die D21 macht eine Studie zu einem wichtigen Thema“ und daher für die Hälfte der Kosten aufkommt sehen wir das als Mandatierung unserer Arbeit und unseres Auftrags. Wir freuen uns darüber, dass uns ein Ministerium so vertraut, dass wir diese Aufgabe übernehmen sollen. Denn das zeigt uns, dass wir einen guten Job machen. Wir werden als verlässliche Quelle wahrgenommen, das stellen wir immer wieder fest. Journalisten nutzen den Index oder den Monitor immer wieder als Nachschlagewerk. Ein aktuelles Beispiel sind „fake news“. In diesem Zusammenhang haben viele Journalisten in unserer Studie nachgeschlagen und festgestellt, dass die digitale Kompetenz in der deutschen Bevölkerung gering ausgebildet ist. Und „fake news“ haben eben ganz viel damit zu tun, ob jemand die Logiken der Informationsweitergabe im Netz verstanden hat. Und ob jemandem klar ist, dass etwas, das im Internet steht, nicht unbedingt wahr sein muss. Da sind wir dann wieder bei der digitalen Bildung. Wenn das in den Schulen nicht gelehrt wird, die Kinder keine Quellenkritik lernen und keinen natürlicheren und kritischen Umgang mit diesen Dingen, dann muss man sich nicht wundern. Da müssen wir massiv in die digitale Bildung, in Digitalkompetenzen in den Schulen investieren und aufklären. „Der Staat muss bei den digitalen Basisdiensten seine Hausaufgaben machen.“ msg: Was verstehen Sie genau unter einem „innovativen Staat“? Was wäre für Sie eine richtig innovative Staatsaktion? Müller: Also innovativ im Sinne von mutig wäre der Staat, wenn er sagen würde: „Es gibt 60 Prozent Gebührenerlass, wenn der Bürger den digitalen Pfad wählt.“ Denn es wären große Einsparungen und Effizienzgewinne möglich, wenn mehr Bürger den digitalen Pfad wählen würden. Österreich macht das übrigens schon so. Ein weiteres Beispiel: Es wäre innovativ, wenn viele Infos statt über die zentrale Rufnummer 115 über Apps als Self-Service angeboten würden. Oder wenn es Chat-Bots auf Behördenseiten gäbe – denn eigentlich sind alle Leistungen, die auf Formularen aufgebaut sind, prädestiniert für Chat-Bots. E-Government ist immer noch ein Nischenthema, ein Entwicklungsthema. Über einfache Messenger-Dienste könnte man den bildungsfernen Bevölkerungsschichten einen viel leichteren Einstieg bieten. In UK gibt es ein Beispiel, wo Obdachlose über ein Chat-Bot Hilfeleistungen anfordern können. Der Staat muss bei den digitalen Basisdiensten seine Hausaufgaben machen und Themen wie zum Beispiel E-Akte endlich zum Abschluss bringen. Und ein paar sexy Dienstleistungen obendrauf setzen, bei denen man sagen würde: Cool! Da gäbe es so viele einfache Möglichkeiten. Warum muss man zum Beispiel einen Antrag auf Kindergeld stellen, wenn jedes Kind, das hier geboren wird, sowieso Anspruch darauf hat? Warum verknüpft man das nicht mit einer anderen Meldung, die bei der Geburt sowieso gemacht werden muss? Da würde man viel Bearbeitungsgebühren sparen können. Interview | .public 01-17 | 13

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